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Verantwortungsvolles, nachhaltiges Unternehmertum nach Corona

vonJulia Frischknecht

Das Wirtschaftsforum Thurgau fand in verkürzter Form, mit einhundert Teilnehmenden und für viele weitere als Live-Stream statt. Hans Hess forderte im Einstiegsreferat eine vernünftige Balance bei Interessenkonflikten. Im anschliessenden Talk unterhielt sich Mona Vetsch mit Peter Spuhler, Karin Frick und Dieter Bachmann über Konsum, Krise und Köpfe nach der Pandemie.

Nachhaltigkeit entstehe dann, wenn die unterschiedlichen Bedürfnisse der Interessengruppen in einer vernünftigen Balance gehalten würden, hielt Hans Hess, früherer Swissmem-Präsident, in seinem engagierten Grundsatzreferat am WFT fest. Nachhaltigkeit, so Hess weiter, sei eine ausgeglichene Berücksichtigung von Ökonomie, Ökologie und Sozialem – und nicht nur Umweltschutz um jeden Preis. Ein Unternehmen sei sechs Stakeholdern verpflichtet: Kunden, Mitarbeitenden, Aktionären, Lieferanten, der Umwelt und der Gesellschaft.

Mitverantwortung für gesunde Umwelt

Hans Hess ist überzeugt, dass sich ein Unternehmen längerfristig nur dann nachhaltig und erfolgreich entwickeln kann, wenn es zwischen diesen sechs Interessengruppen eine Balance gibt. Es allen zu jeder Zeit recht machen zu wollen, sei eine höchst anspruchsvolle unternehmerische Aufgabe. «Deshalb hat auch die Gesellschaft eine Mitverantwortung für eine gut funktionierende Wirtschaft, die ihr Jobs anbietet und für sie attraktive Konsumgüter herstellen soll», so Hess. Zudem sei die Gesellschaft auch mitverantwortlich für eine gesunde Umwelt. Hess fragte sich, wann eine Gesellschaftsverantwortungs-Initiative ergriffen werde.

Toxische politische Anliegen

Hans Hess ist nicht der Ansicht, dass wir radikale Initiativen unterstützen sollten, sondern dass wir Gesetzen, die in einem langen politischen Prozess zwischen den Interessengruppen ausgehandelt wurden, nicht einfach leichtfertig eine Abfuhr erteilen sollten, nur weil uns einige Elemente darin nicht passen. Sonst würden wir uns im Kreis drehen. Isoliert betrachtet, möge jedes politische Anliegen sogar seine Berechtigung haben, so Hess, aber in der Summe werde es für viele Unternehmen ungeniessbar oder sogar toxisch. An diesem Punkt sind wir laut Hess in der Schweiz nun angelangt.

Prominente Gesprächsrunde

In der anschliessenden, prominent besetzten Gesprächsrunde begrüsste Mona Vetsch Dieter Bachmann, CEO der Gottlieber Spezialitäten AG und Träger des Motivationspreises 2020 der Thurgauer Wirtschaft, Karin Frick, Zukunftsforscherin am GDI, und Peter Spuhler, Stadler Rail AG. Bachmann sagte, sein Unternehmen habe die Corona-Krise hervorragend gemeistert und hätte um die Weihnachtszeit kaum alle Kundenbestellungen erfüllen können, hätten nicht die ganze Familie sowie Freunde und Aktionäre mitgeholfen.

Konsumzwang kehrt zurück

Gemäss Karin Frick kommt nach Corona und dem Konsumfasten der Konsumzwang zurück. In der Corona-Zeit habe sich vor allem die Digitalisierung beschleunigt, und viele Konsumenten hätten Vertrauen ins Bestellen per Internet bekommen. Und die Digitalisierung habe auch das Umsteigen auf das Homeoffice unterstützt. Peter Spuhler zeigte aber auch die Grenzen des Homeoffice auf, das bei Stadler Rail nur rund 15–20 % nutzten, und die durch die Pandemie entstandenen Probleme, z. B. bei Autoneum, aufgrund von Engpässen oder durch den Abbruch von Lieferketten.

Mitarbeitende aus dem Gefängnis geholt

Als Chef habe er sich den Corona-Massnahmen ebenfalls unterworfen, und in verschiedenen Unternehmen hätten Bereiche wegen der Quarantäne geschlossen werden müssen, so Spuhler. In der Ukraine sei es auch zu Problemen wegen der politischen Umstürze gekommen, aber nicht zu Produktionsabbrüchen – und auch Mitarbeitende habe man wieder aus dem Gefängnis holen können. Der Beitrag des Unternehmens in solchen Ländern sei kein politischer Auftrag, sondern es gehe darum, die Mitarbeitenden mit Ausbildung, Weiterbildung und optimalen Arbeitsbedingungen an die westlichen Werte heranzuführen.

Unternehmer aus Leidenschaft

Unternehmertum sei ein Gen, das man in sich habe oder nicht, meinte Dieter Bachmann. Dies bestätigte auch Karin Frick. Laut ihnen können Unternehmer nicht durch künstliche Intelligenz oder Roboter ersetzt werden. Der Unternehmer trägt auch Verantwortung für den Standort, wie Peter Spuhler aufzeigte. Sein Unternehmen verlege maximal 15 % der Arbeitsplätze in Billiglohnländer und werde immer ein Schweizer Industriebetrieb bleiben, wie er auch mit dem Bau des neuen Werks in St. Margrethen gezeigt habe.

Erstaunliche Antworten auf Schlussfragen

Auf die kurzen Schlussfragen von Mona Vetsch gaben die Diskussionsteilnehmenden erstaunliche Antworten. So möchte Dieter Bachmann noch besser Klavier spielen lernen, Karin Frick gibt gerne Geld für Schuhe aus, und Peter Spuhler hat die Hoffnung aufgegeben, Eishockeyprofi zu werden. Den Abschluss machte Hansjörg Brunner und gab, wie auch Christian Neuweiler und Mona Vetsch zu Beginn, seiner Freude darüber Ausdruck, dass das WFT wieder einmal physisch ausgetragen werden konnte. Brunner dankte den Sponsoren und freut sich auf das 25. WFT am 4. November 2021 – in der Hoffnung auf einen vollen Saal.

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