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Thurgau ist ein exklusiver Kanton am Bodensee

vonJulia Frischknecht

Wirtschaft und Politik im Jahr 2030 war das Thema des 25. Wirtschaftsforums Thurgau. Hochkarätige Referenten versuchten die Frage «wohin sich die Wirtschaft und Politik entwickeln soll» zu beantworten.

Nachdem das 24. Wirtschaftsforum nur in verkürzter Form durchgeführt werden konnte, fand der Jubiläumsanlass wieder in gewohnter Form in Weinfelden statt. Mit dabei war nicht nur die Direktorin des Schweizer Radio und Fernsehens Nathalie Wappler, sondern auch die Staatssekretärin des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten, Livia Leu, Serge Gaillard, ehemaliger Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, Andreas Wieland, CEO der Hamilton AG, sowie Tabea Steiner, Brigitte Kaufmann und die Träger des Motivationspreistes der Thurgauer Wirtschaft 2021, Martin und Rebecca Kull. Aufgelockert wurden die Referate mit Auftritten von Lara Stoll, Slam-Poetin und Gewinnerin des Salzburger Stiers 2021. Als Ersatz für Mona Vetsch, die diesmal verhindert war, sprang als Moderatorin die SRF-Korrespondentin Henriette Engbersen, ein.

Hansjörg Brunner, Präsident des Thurgauer Gewerbeverbands blickte auf 25 Jahre Wirtschaftsforum mit über 100 spannenden Referaten und Interviews zurück. Die 250 Teilnehmenden hätten auch diesmal wieder bewiesen, wie wichtig dieser Anlass ist, weil er Politik und Wirtschaft verbindet. Regierungspräsidentin Monika Knill war überzeugt, dass die Thurgauer Wirtschaft die Corona-Krise gut überstanden habe und wieder stabil aufgestellt sei. Stolz erklärte sie: «Thurgau ist ein exklusiver Kanton am Bodensee».

Aussenblick auf den Kanton Thurgau

Nathalie Wappler, die in Kreuzlingen aufgewachsen ist, erklärte wie sie den Kanton Thurgau heute wahrnimmt. Die Region habe sie geprägt. Heute sei sie überzeugt, dass der Thurgau mehr ist als ein Apfelkanton. Thurgau werde unterschätzt, weil man den Kanton zu wenig kennt. Die Thurgauerinnen und Thurgauer sollten mit Selbstbewusstsein auf ihren Kanton hinweisen.

Mit feministischen Gedanken setzte sich Autorin Tabea Steiner kritisch mit der Zukunft auseinander. Sie wies darauf hin, dass Frauen heute noch benachteiligt werden. Mit Zahlen versuchte sie die Lohnschere, Sozialhilfequoten, Ergänzungsleistungen und Depressionen zu belegen und stellt das Konzept «Crip Time» vor. «Die Wirtschaft muss Bedürfnisse aller befriedigen», so ihr Statement.

Magnetschwebebahn bis zum Genfersee

Über Zukunftsvisionen diskutierten Martin und Rebecca Kull, Brigitte Kaufmann, Nathalie Wappler und Tabea Steiner gemeinsam mit Henriette Engbersen. Brigitte Kaufmann, Präsidentin des Grossen Rats und formell die höchste Thurgauerin wünschte sich weniger Bescheidenheit. Ihre Vision für den Kanton Thurgau 2030: «Nicht ein Kanton der kurzen Wege, sondern ein Kanton der schnellen Schritte». Eher Utopie als Vision war der Vorschlag von Marti Kull, dem Inhaber der HRS Real Estate AG. Er würde die zwei schönsten Seen, den Bodensee und Genfersee mit einer Magnetschwebahn verbinden. Erörtert wurden auch Themen wie neue Wohnbaukonzepte, Klima, Bildungswesen, Landflucht und die Vermarktung des Kantons.

Globale Arbeits- und Wirtschaftswelt 2030 und die Auswirkungen auf die Schweiz war das Thema der zweiten Diskussionsrunde mit dem ehemaligen Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung Serge Gaillard und dem Chefökonom der UBS Daniel Kalt. Diskutiert wurde über Finanzen, Klima, Staatsschulden, Fachkräftemangel, Altersfinanzierung Arbeitsplatzorganisation und Lieferkettenschwierigkeiten.

Den richtigen Riecher

Dass es zu Liefer- und Transportengpässen erst gar nicht kommen muss, erklärte Andreas Wieland, CEO der Hamilton AG. Sein Unternehmen habe die Corona-Krise früh erkannt und die Lagerbestände aufgestockt. «Wir haben einfach schnell reagiert», sagte er. Er habe noch nie eine solche Zeit wie heute erlebt, mit so viel Dynamik. Stolz erklärte er: «Jedes fünfte Beatmungsgerät im weltweiten Einsatz kommt heute aus Graubünden, zwei Drittel aller automatisierten PCR-Tests laufen mit der Technologie aus Graubünden und 90% der Impfstoffhersteller nutzen Sensoren aus Graubünden».  «Wir hatten einfach den richtigen Riecher», sagte Andreas Wieland, denn wie schon Benjamin Franklin sagte: «Wer sich nicht vorbereitet, bereitet sein Scheitern vor.»

Über das Verhältnis zur Europäischen Union, zu den USA und zu China referierte Livia Leu, Staatssekretärin des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten. Sie wies darauf hin, dass die Aussenpolitik für den Wohlstand der Schweiz wichtig sei und die Schweiz sich nicht erlauben könne, die Rolle eines Zuschauers einzunehmen. Sie unterstrich aber auch, dass die Schweiz als attraktiver Partner viel zu bieten habe, vor allem sei sie als Brückenbauer im internationalen Spannungsfeld anerkannt. Die Aussenpolitik werde anspruchsvoller, vor allem wenn die Schweiz ihre traditionellen Prinzipien bewahren möchte.

Nach einem kurzen Rückblick auf die letzten 25 Jahre Wirtschaftsforum Thurgau mit Gründer Markus Vogt, Präsident der IHK Thurgau, Christian Neuweiler und Präsident des Thurgauer Gewerbeverbandes, Hansjörg Brunner haben die Teilnehmenden und Organisatoren auf das Jubiläum angestossen und liessen den Abend beim Apéro-Riche ausklingen.

Hier gibt es alle Impressionen der Veranstaltung.

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