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Wer macht die Zukunft?

von Alexandra Frei

Wer macht die Zukunft?

Die Zukunft ist ein umkämpfter Markt. Dabei ist es doch so einfach: Man werfe bei der Frage, ob man dies oder jenes tun soll, diese oder jene Prognose richtig sei, doch einfach eine Münze! Oder man frage das Orakel von Delphi. Früher waren es auch tatsächlich Propheten und Priester, die sagten, wie die Zukunft wird. Heute ist dieses Tun eine anerkannte Wissenschaft – wie sie auch Matthias Horx betreibt, Zukunftsforscher und einer unserer WFT-Referenten.

Prognostiker irren sich für uns

Der Hype mit der Zukunft hat mit dem Club-of-Rome-Bericht in den Siebzigerjahren begonnen, wurde fortgesetzt mit John Naisbitts Buch «Megatrends» in den Achtzigern, und Faith Popcorn wurde mit «Cocooning» zu einem «Pop-Star» der Branche. Aber, so Matthias Horx, auch Prognostiker würden irren – sozusagen stellvertretend für alle anderen. «Wir sind Teil einer medialen Vorher- und Voraussage-Industrie, die ihre Resonanz aus den Tiefenschichten der humanen Psyche bezieht», so Horx in einer seiner vielbeachteten Kolumnen, die man sogar gratis abonnieren kann. «Fehlprognosen spiegeln dabei den fehlbaren menschlichen Geist; sie geben vor allem Auskunft über unsere inneren Weltkonstruktionen, unsere Miss-Konzeptionen von Wandel und Wirklichkeit. Nur wenn wir das erkennen, können wir ‹wahre› Zukunftsprognosen machen», so Matthias Horx weiter.

Angst vor Entscheidungsverantwortung

Zukunftsprognosen werden immer genauer – entscheiden aber müssen wir schlussendlich selber, welchen Weg wir gehen, welche Investition wir tätigen wollen. Pro Tag, so will der Nobelpreisträger Daniel Kahneman herausgefunden haben, entscheiden wir uns rund 40 Millionen Mal. Mit Blicken, Worten, Gesten. Aufs Handy schauen wir über einhundert Mal täglich, treffen damit aber keine Entscheidungen, sondern lassen uns festlegen. So stellt der Kinderchirurg Thomas Krebs vom Kinderspital St. Gallen zu Recht fest, dass es zusehends weniger Menschen gebe, die Freude daran hätten, Führungsaufgaben mit Entscheidungsverantwortung zu übernehmen. Tatsächlich leben wir in einer Welt, in der «die Gesellschaft immer weniger Verantwortung übernehmen möchte» (Gerd Gigerenzer). Die Welt, die Wirtschaft ist komplex geworden, und es herrscht eine regelrechte «Vorsichtskultur».

Lernen vom Kinderchirurgen

Vorsicht ist sicher gut, Angst hingegen fehl am Platz, wenn es um Entscheidungen für die Zukunft geht. Denn in einer Angstkultur können keine guten, mutigen Entscheidungen getroffen werden. Alle unsere Referenten am 22. Wirtschaftsforum Thurgau (WFT) müssen tagtäglich Entscheidungen treffen, die Auswirkungen auf die Zukunft ihrer Unternehmen haben. Auch sie haben schon Fehler gemacht, falsch entschieden. Dann aber haben sie wohl nicht nach Schuldigen gesucht, sondern sind der Sache auf den Grund gegangen, damit der gleiche Fehler nicht mehr passiert. Am WFT wird es interessant sein zu hören, wie diese unterschiedlichen Referenten Entscheidungen treffen, Entscheidungen, die oft unter Zeitdruck und bei fehlenden Informationen gefällt werden müssen. Von einem Kinderchirurgen werden die WFT-Teilnehmenden mit Gewissheit vieles lernen – denn absichern kann sich ein Chirurg nicht. Er muss fokussiert umsetzen, ohne dass er dabei denkt: War das jetzt richtig? Hätte ich nicht dies tun sollen? Mutig sein und richtig entscheiden – davon handelt das WFT 2018.

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