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5 Fragen an WFT-Referent Philipp Schwarz

von Alexandra Frei

Philipp Schwarz, herzliche Gratulation zum Motivationspreis der Thurgauer Wirtschaft! Was bedeutet Ihnen diese Ehrung?

Vielen Dank – ich nehme Ihre Gratulation gerne stellvertretend für alle Mitarbeitenden entgegen.
Ich sehe darin eine Anerkennung unserer Leistungen in der Substitution der Fotografie von Analog zu Digital und dafür, dass Apple auf ihrer jährlich stattfinden Entwickler Konferenz WWDC in Kalifornien unsere Software-Applikation für MAC lobte und dadurch ifolor ins weltweite Rampenlicht stellte.

 

Viele junge Unternehmer suchen bewusst Distanz zu ihren Eltern und wollen eigene unternehmerische Wege gehen. Was hat Sie dazu bewogen, ins Familien-Unternehmen einzusteigen und die damalige Photocolor Kreuzlingen AG weiterzuführen?

Ich bin schon als Kind gern im Geschäft gewesen und habe mit dem Öffnen der damaligen Filmtaschen mein Feriensackgeld verdient. Es war mir immer klar, dass ich ins elterliche Geschäft einsteigen möchte – und dann bekam ich die Chance, es zu tun.

 

Wie schafften Sie den Übergang von der klassischen zur digitalen Fotografie? Welche technischen und organisatorischen Hürden galt es zu nehmen?

Wichtig ist die Betrachtung aus der Optik des lösungsunabhängigen Kundenproblems, denn jede technische Lösung hat ihre Zeit. Aufgrund unserer Kenntnis der Substitutionskurve waren wir überzeugt, dass die Möglichkeiten der digitalen Fotografie dem Anwender Vorteile bringen werden, auch wenn die Qualität am Anfang noch sehr bescheiden war. Denken Sie z.B. an die sofortige Verfügbarkeit der Fotos und daran, dass keine Kosten mehr für die Filmentwicklung anfallen.

Die grösste Hürde ist die kulturelle. Es braucht eine Kultur, die Veränderungen zulässt.
Technisch gesehen wurde der gesamte Maschinenpark ausgetauscht und es entstanden neue Berufsprofile, die wir vorher nicht benötigten. Früher entwickelten wir Filme, heute Software-Applikationen. Wir bieten noch haptische Produkte auf echtem Fotopapier an, aber der Digitaldruck macht den überaus grössten Teil unseres Sortiments aus.
Organisatorisch gibt es einen pragmatischen Grundsatz: Trenne Neues von Altem, denn beide Aufgaben benötigen volle Aufmerksamkeit und somit separate Kümmerer.

 

Welches sind die wesentlichen Faktoren, die die damalige Photocolor und heutige Ifolor auf Erfolgskurs halten?

Die kürzeste und ehrlichste Antwort: Leidensdruck und Begeisterung. Erfolg macht träg und bequem, dagegen gilt es anzukämpfen. Begeisterung beflügelt. Kodak oder Nokia sind Beispiele dafür, was passiert, wenn man nur die Vorteile der herkömmlichen Lösung sieht, wenn operative Zahlen die Grundlage für die Interpretation der Zukunftsfähigkeit darstellen.

 

Wagen wir einen Blick in die Zukunft von Ifolor. Wie sieht diese aus? Wie sieht die Aufbewahrung von Fotos generell aus?

Menschen fotografieren, um spezielle Momente im Leben festzuhalten und so wiedererlebbar zu machen. Zur eigenen Erinnerung, zum Zeigen oder zum Verschenken. Das ist ein dauerhaftes Kundenbedürfnis. Heute wird dank Smartphone sehr viel mehr fotografiert als früher. Und dank WhatsApp, Instagram, Facebook, Google etc. werden täglich endlos viele Schnappschüsse ausgetauscht. Fotos von ganz  besonderen Momenten wie verschiedene Stadien heranwachsender Kinder, Geburtstage, Familien- und andere Feste, Ausflugs- und Reiseberichte, Ferienerlebnisse, Anlässe etc. werden häufig in/auf haptischen Fotoprodukten festgehalten. Diese sind haltbar und überdauern technologischen Wandel. Sie eignen sich auch hervorragend als persönliches Geschenk aufgrund ihrer hohen emotionalen Komponente.

Digitale und haptische Aufbewahrungsmethoden werden auf absehbare Zeit koexistieren, Wir sind neugierig und beobachten Trends weltweit und branchenübergreifend. Die vorhandenen Anwendungen haben noch viel Verbesserungspotential und Technologien wie zum Beispiel 3-D oder Blockchain könnten neue und interessante Anwendungsmöglichkeiten bieten. Auf der Suche nach der besten Lösung für das dauerhafte Kundenbedürfnis wird es uns jedenfalls nicht langweilig werden.

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