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Interview mit Martin und Rebecca Kull

vonJulia Frischknecht

Wo steht der Kanton Thurgau heute aus Ihrer Sicht (wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich)?

Wir sind in unseren bodenständigen Art gut unterwegs. Gerade in der Immobilienbranche, hier haben wir weniger Preisschwankungen als in anderen Regionen. Der Thurgau hat eine vernünftige Steuerbelastung und attraktive wirtschaftliche Rahmenbedingungen, auch eine gemässigte, bürgernahe Politlandschaft.

Etwas vermissen wir sehr: eine Perspektive im Kanton im Bereich der Bildung im Hochschulbereich. Es kann ja nicht sein, dass der Thurgau ausser der PH keine Fachhochschule hat. So verpassen wir die Chance, dass sich junge Leute aus der Region in der Region weiterentwickeln können – und dass der Thurgau sogar Auswärtige anzieht.

Wo sehen sie den Wirtschaftsstandort Thurgau im Jahr 2030?

Wir haben auf den ersten Blick im Kanton Thurgau einen grossen Nachteil: Es fehlen uns aufgrund des Bodensees 180 Grad, um uns auf Ländereien weiterentwickeln zu können. So sind wir gehalten, uns zwangsläufig auch intensiv mit dem Thema Freizeit (und der Nachbarschaft zu Deutschland und Österreich) auseinanderzusetzen. Es muss gelingen, die Werte der Erholung und Freizeit gewinnbringend zu fördern. Unsere Region könnte mit einem intensiveren Marketing im Bereich Freizeit, Erholung, Aus-/Weiterbildung und Kongresse – wir haben eine ganze Reihe schöner Ausbildungsstätten, vom Wolfsberg bis zur Kartause Ittingen – mehr aus sich machen.

Das heisst aber nicht, dass wir die industrielle und gewerbliche Weiterentwicklung vernachlässigen dürfen. Im Gegenteil: Wir haben gute und spannende Firmen, die zur Vielfältigkeit und dem positiven Wachstum beitragen. Sie alle brauchen optimale Rahmenbedingungen, sei es in der Rekrutierung, bezüglich Expansionsflächen, hinsichtlich der fiskalischen Belastung, aber auch betreffend der Infrastruktur und der Anbindung an die Wirtschaftsgebiete St. Gallen (speziell für den Oberthurgau) und Zürich.

Was können/möchten Sie zur Entwicklung des Kanton Thurgaus beitragen?

Hier müssen wir unterscheiden zwischen der Areal-/Immobilienentwicklung und der Projektabwicklung, sprich der Ausführung.

Im Bereich der Ausführung legen wir nach wie vor grossen Wert darauf, dass die Wertschöpfung im Kanton oder der jeweiligen Region bleibt. Das heisst, dass wir, wenn immer möglich mit dem regionalen Baugewerbe zusammenarbeiten. Bauen ist ein regionales Business. Wir haben in der Vergangenheit unseren Beitrag geleistet und werden dies auch in Zukunft tun.

Im vorgelagerten Bereich der Areal- und Immobilienentwicklung arbeiten wir nach dem Grundsatz «Optimum vor Maximum». Wir machen immer eine langfristige gesamtheitliche Betrachtung vor kurzfristiger Gewinnmaximierung. So haben wir zum Beispiel im Areal Saurer WerkZwei in Arbon zuerst in den Hamel und das Presswerk investiert. Dies, um das Areal aufzuwerten und der Bevölkerung etwas Nachhaltiges zu geben. Finanziell wäre es für uns einfacher und lukrativer gewesen, nur das Saurer WerkZwei zu bearbeiten. Wir sind überzeugt, dass unsere Haltung nachhaltiger ist. Mit all unseren Entwicklungen versuchen wir Wertschöpfung zu generieren, sprich «added value» zu schaffen.

Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, damit HRS im 2030 weiterhin erfolgreich operieren und grosse Projekte verwirklichen kann?

Aus unserer Sicht braucht es mehr Mut, an die Grenzen zu gehen oder sie teilweise zu übertreten. Dies betrifft vor allem die Behörden und die Politik, welche sich doch gerne hinter der den Paragraphen verstecken. Die Freiheitsgrade müssen erweitert werden. Rekursverfahren dauern nach wie vor zu lange. Das öffentliche Beschaffungswesen muss überarbeitet und modernisiert werden. Die Vergabekriterien sind in Bezug auf die Nachhaltigkeit neu und zukunftsgerichtet zu definieren.

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