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Matthias Horx im Interview

von Alexandra Frei

Matthias Horx, Ihre Stimme wird weitherum gehört und ernst genommen. Sind Sie so etwas wie ein Prophet des 21. Jahrhunderts?

Propheten wollen ja meistens möglichst viele Menschen irgendwohin „verführen“, und meistens ist das mit apokalyptischen Bildern oder grandiosen Erlösungs-Angeboten verbunden. Propheten manipulieren gerne. Ich möchte dagegen Menschen berühren und anregen, dass sie sich mit ihrer inneren und äußeren Zukunft aktiv auseinandersetzen, als handelnde, denkende, fühlende Subjekte.

 

Auf welche Quellen und Tools greifen Sie und ihr Team zurück, um wichtige Trends zu erkennen?

Wir sind Systemforscher und Systemanalytiker, die versuchen, komplexe Wandlungsprozesse zu verstehen und zu modellieren. Das machen wir seit mehr als 20 Jahren, und deshalb haben wir inzwischen einige Erfahrung damit, was man voraussagen kann und was nicht, welcher Trend Substanz hat und welcher ein Hype ist. Dabei spielt „Big Data“ eine Rolle, aber nicht nur. Die Zukunft entsteht ja aus drei Faktoren: 1. menschlichen Entscheidungen 2. unvermeidlichen evolutionären System-Prozessen und 3. Zufällen. In dieser Reihenfolge.

 

Sind Sie auch schon überrascht worden, indem eigene Prognosen von der Wirklichkeit völlig auf den Kopf gestellt wurden?

Wie jeder andere auch wurde ich von den Krisen der letzten Jahre überrascht, allerdings nicht allzu sehr. Der 11. September, die Bankenkrise, der Hass-Populismus, das waren Disruptionen, die alle Ausdruck von Tendenzen und Spannungen waren, die vorher schon existierten. Sagen wir es so: Ein Zukunftsforscher kann nicht präzise ein einzelnes Event voraussagen, aber eine bestimmte Latenz für Phänomene, die wahrscheinlich sind.

 

Welches sind die häufigsten Denkfehler bei der Erstellung von Prognosen?

Linearität und Angst. Das menschliche Hirn neigt dazu, Linien geradeaus zu zeichnen und dabei Komplexität und Kontext zu ignorieren. Dann fahren Autos, die heute 100 km/h fahren, demnächst 1000 km/h schnell. Angst wiederum lässt uns glauben, dass negative Ausgänge wahrscheinlicher sind als positive. Angst macht zukunfts-starr und lässt uns in einen Tunnelblick verfallen. Erst wenn wir aus dieser Enge herauskommen, können wir die wahre Zukunft sehen.

 

Welche Zukunftswünsche für unsere Gesellschaft liegen Ihnen besonders am Herzen?

Ich wünsche mir, dass wir die notwendigen Zukunftsdebatten weniger hysterisch und weniger Technik-Hype-euphorisch führen. Mit mehr Gelassenheit und Achtsamkeit.

 

Herzlichen Dank für das Interview, wir freuen uns auf Ihren Auftritt am 22. Wirtschaftsforum Thurgau 2018.

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