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3 Fragen an Hans Hess

von Julia Frischknecht

Das Thema vom Wirtschaftsforum Thurgau 2020 lautet «Verantwortungsvolles Handeln nach 2020» – wie sieht dieses verantwortungsvolle Handeln aus Ihrer persönlichen Sicht aus?

Zum einen braucht es eine hohe Eigenverantwortung aller Menschen in der Schweiz, sich an die Vorschriften und Empfehlungen des Bundes zu halten. Es braucht aber auch ein hohes Verantwortungsbewusstsein der Unternehmerinnen und Unternehmer, für ihre Mitarbeitenden und ihre Kunden das gleiche zu tun. Und es braucht die Einsicht in der Politik, dieses noch nie da gewesene Hilfsprogramm der öffentlichen Hand von bis zu 100 Milliarden (das sind 100’000 Millionen!) nicht noch weiter auszudehnen. Jemand muss das Ganze ja irgendwann bezahlen.  Ein noch grösseres Hilfsprogramm müssten wir, aber vor allem auch unsere Nachkommen bezahlen. Nur schon mit dem aktuellen Paket werden wir uns mehr als 10 Jahre einschränken müssen.

Was glauben Sie, benötigt die Wirtschaft im Jahr 2021 um möglichst rasch wieder auf die Beine zu kommen?

Die Unternehmerinnen und Unternehmer heissen ja so, weil von ihnen erwartet werden darf, dass sie selber etwas unternehmen. Sie wollen selber initiativ sein und selber Lösungen finden, wie sie mit ihrem Geschäft am besten durch diese Krise kommen. Sobald es einigermassen klar wird, wie sich die gesundheitlichen Auflagen und das Kundenverhalten im zweiten Halbjahr 2020 entwickeln, müssen sich die Unternehmen an dieses «new normal» anpassen. Die Konsumenten können auch einen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten: Sie müssen wieder konsumieren. Die Politik sollte unbedingt von den klassischen Konjunkturprogrammen absehen, weil diese erfahrungsgemäss immer zu spät und oft am falschen Ort wirken. Wir brauchen keine neuen Kreisel im Land! Viel zielführender wäre es, den Unternehmen keine neuen Kosten aufzubürden und sie möglichst von bestehenden Kosten zu entlasten. Die Aufhebung der Industriezölle wäre ein sehr guter Anfang dafür.

Welche Learnings können Sie persönlich und als Unternehmer aus der Corona-Zeit ziehen?

Wir haben alle gewusst, dass es früher oder später eine Pandemie geben kann. Und dennoch waren wir ungenügend vorbereitet. Das muss sich ändern. Die Regierungen in der Schweiz und in den meisten Ländern sahen sich genötigt, drastische Einschränkungen für die Wirtschaft und die Gesellschaft anzuordnen. Das hat zu unglaublichen Kosten geführt. Deshalb muss in Zukunft ein solcher Shutdown um jeden Preis verhindert werden. Es braucht in der Krise eine bessere Balance in der Berücksichtigung von gesundheitlich, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Interessen. Es braucht bessere Frühwarnsysteme, bessere Information und vor allem ein besseres Schutzkonzept. Man muss rechtzeitig verschiedene Phasen anordnen, beispielsweise grün, gelb, orange und rot, in denen zunehmend schärfere Schutzmassnahmen getroffen werden können. Das beginnt mit der Handhygiene, geht über breite Tests bis hin zu Social Distancing und allenfalls einer Maskentragepflicht. Damit kann man verhindern, dass man je wieder Unternehmen schliessen und die Leute einsperren muss.

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