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«Mein Engagement für gute Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Thurgau ist ungebrochen» - Interview mit Brigitte Kaufmann

vonJulia Frischknecht

Wo steht der Kanton Thurgau heute aus Ihrer Sicht (wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich)?

Der Thurgau steht grundsolide da.  In allen drei Bereichen. Wirtschaftlich gilt für den Thurgau, was auch für die Schweiz gilt. Der «Heimmarkt» Thurgau ist klein, deshalb sind unsere Unternehmen gezwungen, international wettbewerbsfähig zu sein. Zum Glück sind sie es. Davon profitiert das Gewerbe. Dieses wiederum leistet einen grossen Beitrag in der beruflichen Bildung junger Menschen. Finanzpolitisch geht unser Kanton haushälterisch und vorausschauend mit seinen Mitteln um. Wir können aktuell, dank dem Verkauf von TKP-Partizipationsscheinen, zusätzlich 127 Millionen Franken investieren. Gesellschaftlich finde ich den Thurgau in vielerlei Hinsicht aussergewöhnlich. Das politische Umfeld ist nach wie vor von respektvollem Umgang miteinander geprägt. Der direkte Kontakt ist unkompliziert möglich. Der «Kanton der kurzen Wege» ist kein Schlagwort, es ist zum Glück immer noch Realität. Im Thurgau zu leben und zu arbeiten ist attraktiv. Man könnte natürlich darüber streiten, ob es eher ein Vor- oder eher ein Nachteil ist, dass viele Leute nicht wissen, wie schön es im Thurgau ist.

Wo sehen sie den Wirtschaftsstandort Thurgau im Jahr 2030?

Wenn ich sehe, wie viele profilierte Prognostiker sich in der Vergangenheit geirrt haben, verzichte ich auf Kaffeesatzlesen. Grundsätzlich bin ich zuversichtlich, dass es uns gelingt, die globalen Herausforderungen lokal zu meistern. Die Bereitschaft, – um ein wichtiges Thema zu wählen – die Dekarbonisierung voranzutreiben, mit neuen Technologien ressourcen- und umweltschonender zu produzieren ist in zahlreichen Betrieben und Organisationen implementiert. Unwägbarkeiten wie zum Beispiel die globale Finanz- und Wirtschaftspolitik sind schwierig zu beeinflussen – doch gerade auch davon hängt die Entwicklung unseres Wirtschaftsstandorts stark ab.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für den Kanton Thurgau bis 2030?

Wir haben ein paar Thurgauer Besonderheiten, die man berücksichtigen muss. Im Thurgau nimmt die ältere Bevölkerung deutlich zu. Die Bevölkerung im Rentenalter wächst auch in absoluten Zahlen schneller als jene im erwerbsfähigen Alter. Seit über zehn Jahren steigt die Zahl der über 65-Jährigen Jahr für Jahr um rund 3 %. Dies war auch 2020 der Fall (+3,1 %). Zum Vergleich: Das Bevölkerungswachstum der Thurgauer Gesamtbevölkerung betrug 1,2 % (Zahlen 2020). Es muss uns gelingen, junge, gut ausgebildete Menschen im Thurgau zu halten oder sie nach Abschluss ihrer Ausbildung und «Wanderjahre» wieder in den Thurgau zurückzuholen. Eine andere Besonderheit ist unser überdurchschnittlich hoher Anteil an Arbeitsplätzen im Industriesektor, nämlich 35 Prozent im Vergleich zum gesamtschweizerischen Anteil von 24 Prozent. Wollen wir den Weg gehen, den fast alle Kantone anstreben, nämlich zu einem Kanton mit einem hohen Anteil an Dienstleistungsbetrieben werden, oder verstehen wir den hohen industriellen Anteil als Chance und Wettbewerbsvorteil? Falls ja, was können wir dazu beitragen? Für mich sind Projekte wie der «Digital Campus» oder der «Berufsbildungscampus Ostschweiz» wichtige Bestandteile, um weiterhin attraktive Arbeitsplätze im industriellen Sektor anbieten und entwickeln zu können.

Was können/möchten Sie zur Entwicklung des Kanton Thurgaus beitragen?

Zeit meines Lebens habe ich mich immer auch als «Einmischerin» verstanden. Mein Engagement für gute Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort und damit für den Lebensstandort Thurgau ist ungebrochen. Konkrete Chancen gibt es immer wieder – gerne packe ich zu, wenn ich eine sehe.

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