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Lernen wie man gewinnt!

von Julia Frischknecht

Das Thema des Wirtschaftsforums Thurgau 2019 lautet: Grenzen – ausloten, erweitern, überschreiten. Wann haben Sie zum letzten Mal Ihre Grenzen ausgelotet oder überschritten?

Am 26. Januar 2019 hatte ich einen schweren Unfall. Ich habe meinen rechten Zeigefinger verloren, aber der linke Unterarm konnte gerettet werden. Als ich nach der Operation erwacht bin, wollte ich bereits wieder meine Grenzen ausloten. Wenn man Angst vor einer Grenze hat, sieht man im ganzen Leben nur Grenzen. Ich habe gelernt, dass es viele Grenzen gibt. Aber ich möchte ständig neue Grenzen erreichen und überschreiten. Ich habe gelernt, dass hinter jeder Grenze eine weitere liegt. Ich wurde erzogen, um zu gewinnen.

Sie haben unglaubliches geleistet und viele Gipfel erklommen. Sie sagen, Sie verdanken diese Leistungen zum Grossteil Ihren Visionen und Ihrem Glauben an sich selbst. Worin bestehen diese Visionen und dieser Glaube ans Unmögliche?

Sehnsucht. Ich pflege diese Sehnsucht. Es liegt nur an mir, dass ich das erreichen kann und wenn ich es erreicht habe, dann habe ich ein super gutes Gefühl. Es ist auch in Ordnung ab und zu auf die Schnauze zu fallen. Aber wenn man dann wieder etwas schafft, ist es ein unglaubliches Gefühl.

Welches sind Ihre nächsten Ziele und Träume?

Aktuell habe ich kein konkretes Ziel im Kopf. Bereits 3 Wochen nach meinem Unfall habe ich wieder eine Wandertour gemacht und als ich die erste Skitour machte, hatte ich extreme Glücksgefühle, dass ich das wieder machen kann, dass ich überhaupt wieder einen Stock halten kann. Am 12. Juni habe ich die erste Klettertour gemeistert. Ich bin bereits wieder sehr steile Kletterwände hochgeklettert. Mein grosses Ziel ist es, wieder komplett auf die Füsse zu kommen und wieder alles machen zu können, was ich vor dem Unfall konnte. Mein Ziel ist es mit Leichtigkeit durchs Leben zu gehen, dann gelingt auch mehr. Die Balance im Leben muss stimmen, man muss auch mit Unwichtigkeit leben. Man weiss eigentlich gar nicht, was wirklich wichtig ist. Das Leben funktioniert nur mit Leichtigkeit und diese Leichtigkeit muss man gelernt haben.

Wenn Sie auf einem Gipfel stehen, was «sehen» Sie da, was empfinden Sie?

Ich war von Geburt an blind, mein Sehzentrum im Gehirn weiss gar nicht, dass ich blind bin. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass es gar keine Farben gibt, es sind unterschiedliche Wellenlängen, in denen das Licht bricht. Die Farbe selbst entsteht erst im menschlichen Gehirn. Mein Gehirn macht mit den anderen vier Sinnen Bilder. Wenn ich den Gipfel erreiche, habe ich das Gefühl, gewonnen zu haben. Wenn ich oben angekommen bin, erhalte ich ein Feedback, dass ich die richtigen Entscheidungen getroffen habe, dass ich das richtige Material gewählt habe, den richtigen Seilpartner hatte etc. Es ist eine Rückmeldung, ob mein Denken gegenüber der Realität entspricht. Wenn ich einen Fehler mache dann komme ich den Berg nicht hoch.

Ich möchte den Menschen beibringen wie man gewinnt!
Wie es sich anfühlt, wenn man gewinnt.

Herzlichen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf Ihr Kommen und Ihre Worte und Bilder.

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