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Wir spüren den Druck der Lokalisierung - Interview mit Andreas Wieland

vonJulia Frischknecht

Wo steht der Kanton Thurgau heute aus Ihrer Sicht (wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich)?

Der Kanton Thurgau ist durch die internationalen Flughäfen Zürich, Friedrichshafen und Altenrhein sowie durch Nationalstrassen gut erschlossen. In der Nähe befinden sich Hochschulen und Universitäten, die in verschiedenen Bereichen spezialisiert sind und gute Voraussetzungen für Startups, KMUs und grosse Firmen bieten. Tiefe Immobilienpreise, kombiniert mit tiefen Steuern und einem grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt tragen zur Standortattraktivität bei. Dennoch nehme ich heute den Thurgau von aussen als ein nach wie vor von der Landwirtschaft geprägter, konservativer Kanton wahr.

Wo sehen Sie den Wirtschaftsstandort Thurgau im Jahr 2030?

Die einmalige Landschaft mit dem See und der Sicht auf die Berge bieten Potential für Headquarters von international tätigen Unternehmen, Ferienresorts und Seminare. Die industrielle Produktion wird sicher in Zukunft eine noch grössere Rolle spielen. Unternehmen wie die Stadler Rail Group, Variosystems, Eugster/Frismag und natürlich die Bernina International, deren Nähmaschine ich schon als Kind bei meiner Grossmutter bediente, haben ein grosses Potential, da sie auf Nachhaltigkeit bauen.

Was können/möchten Sie zur Entwicklung des Kantons Thurgau beitragen?

Ein Schlüssellieferant von Hamilton hat seine Produktionsstätte in Stein TG. Wir haben das Bezugsvolumen in den letzten Jahren bei diesem Unternehmen massiv gesteigert. Dank unseren Hightech Produkten wurden auch die technologischen Fähigkeiten stark erweitert. Wir sehen in Zukunft genügend Potential, um diese Partnerschaft zu vertiefen. Zudem habe ich mich erst kürzlich intensiv mit dem Kauf einer Hightech Firma aus der Region befasst und dabei festgestellt, dass ein erhebliches Potential an gut ausgebildeten und engagierten Mitarbeitenden aus dem Thurgau kommt. Leider hat ein anderer Käufer den Zuspruch erhalten.

Was sind die grössten Herausforderungen für die Hamilton Bonaduz AG bis 2030?

Es wird in Zukunft schwierig sein, gut ausgebildete Mitarbeitende in genügender Anzahl zu rekrutieren. Das ist vor allem auf die demografische Entwicklung zurückzuführen. Zudem spüren wir den Druck der Lokalisierung, nämlich die Produkte dort zu bauen, wo diese gebraucht werden. Ich beobachte, wie die Schweiz dadurch immer mehr zwischen die grossen Blöcke USA, EU und China gerät. Die Pandemie hat uns gezeigt, dass globale Lieferketten reissen können. Entsprechend schwierig ist es in der Folge, von hier aus die Welt zu bedienen. Andererseits birgt die Hightech Industrie ein sehr grosses Potential, das auf uns zugeschnitten ist – zum Beispiel Geräte für die Medizin, Plattformen für die Diagnostik oder Automation für die Pharmaindustrie.

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