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Brexit und seine Auswirkungen auf die Thurgauer Apfelernte

von Alexandra Vorburger-Frei

Günter Verheugen wird am WFT auf die Rolle der neuen EU-Kommission und ihrer Beziehung zur Schweiz eingehen.

Die Schweiz und das Vereinigte Königreich verbindet eine langjährige, intensive Beziehung, die massgeblich auf den bilateralen Verträgen zwischen der Schweiz und der EU basiert. Doch was ist nach dem Brexit, wenn die Verträge nicht mehr anwendbar sind?

Die Schweiz hat sich zwar gewappnet und eine Reihe neuer Abkommen unterzeichnet, um die gegenseitigen Rechte und Pflichten zu sichern – diese betreffen u.a. Handel, Migration, Strassen- und Luftverkehr und treten in Kraft, wenn Grossbritannien die EU ungeordnet verlässt oder nach Ablauf einer vereinbarten Übergangsperiode. Die Abkommen enthalten jedoch wenig Konkretes zu Dienstleistungen, die rund die Hälfte des gesamten Handels ausmachen. Zudem ist die Schweiz bei vielen Güterstandards an die Regeln des EU-Binnenmarkts gekoppelt, um sich den Marktzugang zu erleichtern. Doch das künftige Handelsverhältnis von Grossbritannien zur EU steht noch nicht fest.

Ebenso unklar ist die Zukunft für den Handel mit Landwirtschaftsprodukten und Lebensmitteln. Ein Drittel aller in Grossbritannien verzehrten Lebensmittel stammt nämlich aus der EU, die besten Äpfel wohl aus dem Thurgau. Für sie würden neu zusätzliche Nachweise und damit Kosten an der Grenze nötig, wo bisher, dank Zollunion, keine Zölle oder Kontrollen fällig waren. Weil der britische Lebensmittelhandel auf tiefen Margen beruht, haben geringe Zeit- und Kostenerhöhungen bereits grosse Auswirkungen. Da das Logistiksystem so effizient ist, ist die Lagerkapazität begrenzt – höhere Preise und ein kleineres Angebot an frischen Lebensmitteln wären die Folge.

Was die gesamte Wirtschaftsleistung angeht, schätzt der Internationale Währungsfonds, dass ein No-Deal-Brexit die britische Wirtschaftsleistung bis zu acht Prozent schwächen könnte, das OECD spricht gar von einer drohenden Rezession. Sicher ist, dass ein Verlust von Grossbritannien die EU nicht nur wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen schwer treffen wird, sondern vor allem auch deswegen, weil das politische Gewicht der EU geringer wird.

Welche Auswirkungen die Schweiz und damit die Thurgauer Wirtschaft noch zu befürchten hat, wie viele Grenzen schon überschritten wurden und welche Rolle der Europäischen Kommission dabei zukommt, wird Günter Verheugen, von 1999 bis 2010 deren Mitglied, am 7. November am Wirtschaftsforum Thurgau 2019 erzählen.

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