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Den Sehenden die Augen öffnen

von Julia Frischknecht

Andreas «Andy» Holzer, geboren am 3. September 1966 in Lienz, ist österreichischer Profibergsteiger und Ausnahmesportler. Was an und für sich wenig spektakulär klingt, ist bei näherem Betrachten aussergewöhnlich – denn Andy Holzer ist von Geburt an blind. Er hat die «Seven Summits», die jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente, bestiegen und verbringt im Jahr über 200 Tage im Gebirge. Es gibt bis heute nur zwei Bergsteiger, die das Dach der Welt ohne Zuhilfenahme von Licht erreicht haben. Holzer ist der Erste, der dies über die schwierigere Nordroute des Everest schaffen konnte.

Sein Motto: Den Sehenden die Augen öffnen. Mit Überheblichkeit hat sein Leitgedanke nichts zu tun. Was Andy Holzer damit sagen will, ist, dass man seine scheinbaren Schwächen einmal von einer anderen Seite betrachten sollte – und man sich diese so vielleicht sogar zunutze machen kann. Seine eigene «Schwäche» hat Holzer ebenfalls in eine Stärke umgewandelt. Aufgrund seiner eingeschränkten Wahrnehmung seien bei ihm einige Ressourcen im Gehirn frei, so Holzer. Er werde nicht mit Seheindrücken überschüttet und könne die übrigen Eindrücke so ganz anders analysieren und reflektieren.

Hans Bruckner, Andy Holzers Mentor, der ihn mit 25 Jahren zum ersten Mal zum Klettern mitgenommen hat, hat einmal gesagt: Wenn ein Sehender und ein Sehender in einer Seilschaft klettern würden, sei die Wahrnehmung äquivalent. Wenn jedoch ein Sehender und ein Blinder gemeinsam unterwegs seien, stehe deren Wahrnehmung auf einem viel breiteren Fundament, denn die Kommunikation werde automatisch besser. Wie genau Holzer die «Seven Summits» bestiegen hat und wie er nach zwei gescheiterten Versuchen am Mount Everest, den Naturgewalten ausgeliefert, noch einen dritten Versuch gewagt hat, erzählt er am diesjährigen Wirtschaftsforum Thurgau.

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